Ein linker Spaziergang durch Stuttgart

25. April 2017  Allgemein

Ortsverband Vaihingen des Kreisverbands DIE LINKE auf den Spuren geschichtsträchtiger Orte dabei

Die Stadtspaziergänger vor dem Clara-Zetkin-Haus in Sillenbuch.

Ludwigsburg (p). Zu einem „linken Stadtspaziergang“ auf den Spuren der Demokratie- und Arbeiterbewegung vor dem 1 Mai trafen sich Mitglieder des Ortsverbands Marbach-Bottwartal und Vaihingen des Kreisverbands Die Linke Ludwigsburg im Stuttgarter Hauptbahnhof.

Vom Bahnhofsturm unterm Mercedesstern aus gab Erhard Korn von der Rosa-Luxemburg-Stiftung einen Überblick zur Entwicklung Stuttgarts zum Industriestandort und seinem Umbau zur „autogerechten Stadt“ nach den gewaltigen Kriegszerstörungen. Diesem Umbau war auch das Geburtshaus von Georg Herwegh zum Opfer gefallen. Der Dichter entwickelte sich vom führenden Vertreter der Demokratiebewegung von 1848 zum Sozialisten, dessen 1863 geschriebenes Lied die Gruppe als vorgezogenes Geburtstagsständchen sang: „Mann der Arbeit aufgewacht, und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.“

Stuttgart entwickelte sich zum Hauptort der Arbeiterbewegung, 1907 tagte hier sogar der Internationale Sozialistenkongress und beriet über den Kampf gegen den drohenden Krieg. Als er 1914 ausbrach, spaltete sich nicht nur die Sozialdemokratie in Stuttgart: Während die SPD in der Stadt den Weltkrieg ablehnte, wurde er vom Landesvorstand unterstützt.

Der Schlossplatz und das Wilhelmspalais waren Schauplätze der Novemberrevolution 1918, in der Württemberg als „sozialistische Republik“ propagiert wurde. 1920 schon musste aber Reichsregierung und Reichstag vor rechten Putschisten aus Berlin fliehen und Zuflucht im Kunstgebäude suchen, berichten die Linken.

Die Tour führte vorbei am Tagwachthaus, in dem der spätere Kurt Schumacher als Redakteur und scharfer Gegner der Nationalsozialisten gewirkt hatte – auch in Opposition zum SPD-Landesvorstand, der 1933 die Unterstützung der „nationalen Revolution“ beschlossen hatte.

Zum Mittagessen fuhr die Gruppe ins Clara Zetkin Haus in Sillenbuch, benannt nach der sozialistischen Frauenrechtlerin. Deren Auftritt in Steinheim am 17. Mai 1906 hatte im Bottwartal noch für große Aufregung gesorgt, weil eine Frau sprechen sollte. Der „rote Bosch“ gehörte anfangs zu ihren Förderern, bevor er ihr die Schuld an einem Streik in seiner Fabrik gab und die Unterstützung „der Roten“ beendete. Am Nachmittag erläuterte Janka Kluge von der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ die Geschichte des antifaschistischen Widerstands und des früheren Gestapo-Hauptquartiers „Hotel Silber“, in dem die verhafteten Sozialisten, Kommunisten und Gewerkschafter verhört und gefoltert wurden – aber auch der katholische Staatspräsident Bolz, der noch im Januar 1945 von den Nazis gehängt wurde.

In der Geißstraße endete der Spaziergang zwischen Häusern, die 1909 saniert wurden vom „Verein für das Wohl der arbeitenden Klasse“, der gleichzeitig in einem vorbildlichen Wohnungsbauprojekt Tausende von Arbeiterwohnungen baute.

Als Sprecher des Ortsverbandes Vaihingen dankte Peter Schimke Janka Kluge und Erhard Korn für die Stadtführung und verwies darauf, wie sich aktuell die damalige politische Situation in der Türkei zu wiederholen drohe.


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